Nach einer Segelreise Island und zurück, mehreren
Reisen nach Oslo und Südnorwegen bis Stavanger, haben wir
(Segelfreunde des Fahrtensegler-Club Königstein) unsere
Liebe für die "Nördlichen Breiten" entdeckt.
Wegen der langen Anfahrt von der Ostsee zum Polarkreis, ist es
aus Zeitgründen nicht möglich, auf eigenem bzw.
gechartertem Kiel eine Reise über den Polarkreis hinaus,
durchzuführen.
Von Clubkameraden des ADAC wsc-main-kinzig wurden wir dann auf
die Spitzbergen-Excursionsreisen mit der "Noorderlicht"
aufmerksam gemacht. Wir wählten aus den Törns, die
vom Termin und dem Reiseverlauf die für uns
interressanteste Reise,
-Spitzbergenumrundung-Bäreninsel-Tromsö- aus.
Schnell fanden sich aus dem Bekanntenkreis um den FSCK noch
Mitfahrer (fünf Personen).
Nach fast einem Jahr, von der Idee bis zur Durchführung,
war es dann endlich so weit.
Wir stiegen im Frankfurt in den Flieger nach Oslo. Nach einer
Übernachtung ging es dann mit der Brathens
("Brathähnchen"??, innernorwegische Fluglinie) über
Trömso nach Lonyearbyen auf Spitzbergen. Die Norweger
nennen die Inselgruppe Svalbard, und nur die Hauptinsel
Spitsbergen.
Lange Zeit galt Svalbard als Niemandsland, nicht nur weil sich
zunächst niemand außer ein paar Pelzjägern und
Walfängern für das Land interessierte. Erst der
Svalbardvertrag schrieb im Jahr 1920 Norwegens
Souveränität fest, mit der Bedingung, dass die Insel
entmilitarisiert bleibt und die neun Unterzeichnerstaaten ihren
wirtschaftlichen Aktivitäten frei nachgehen können.
Besonders die damalige Sowjetunion interessierte sich einst
für den Kohleabbau auf Spitzbergen. Noch heute leben in
Barentsburg über tausend russische Einwohner und betreiben
den Kohleabbau.
Sonntag, 31. Aug 03
Wir steigen in Longyearbyen aus dem Flugzeug und sind
beeindruckt von der Gebirgslandschaft der Hauptinsel Svalbards,
Spitzbergen. Leicht verschneite Berggipfel unterbrochen von
unzähligen Eisfeldern und massiven Gletschern.
Am Flugfeld von Longyearbyen warten wir, und andere
Expeditionsteilnehmer wie es weitergeht.
Unser Reiseführer Jan trifft ein, und packt uns in einen
bereitstehenden Reisebus. Wir laden unsere Gepäck in die
Noorderlicht und nutzen gleich die Zeit bis zum Ablegen zur
Besichtigung von Longyearbyen mit seinem Museum.
Lat N 70° 14', Long. E 13° 43'
Die Noorderlicht, ein liebevoll hergerichteter Gaffelschoner,
unter niederl. Flagge, ehemals Feuerschiff "Kalkgrund", ab 1925
umgenannt "Flensburg", ist in den nächsten Wochen unser
Heim.
1991 kauften die heutigen Besitzer den Rumpf des Schiffes,
restaurierten ihn von Grund auf (nach den Vorschriften des
"Register Holland") und bauten das Schiff zum Zweimast-Schoner
"Noorderlicht" um. Heute fährt das Schiff unter
niederländischer Flagge und ist mit 10 gemütlichen
Kabinen für jeweils zwei Personen sowie vier Duschen/WC,
einem großen Speisesaal und einer kompletten Küche
ausgestattet. Unter Deck gibt es einen geräumigen Salon.
Im Deckshaus befindet sich eine gemütliche Polsterbank,
von der man einen herrlichen Blick nach draußen hat. Der
stählerne Rumpf des Schiffes wurde so umgebaut, dass er
auch Treibeis standhalten kann.
Wegen seiner guten Isolation, der Zentralheizung und der
Klimaanlage wird das Schiff sowohl in kalten (z.B. in
Schottland, Norwegen, Spitzbergen) als auch in warmen
Gewässern (z.B. Karibik) eingesetzt.
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Techn. Daten: LOA: 46.20 m LOD: 36.00 m. LWL: 30.58 m. Breadth: 6.50 m. Depth: 4.00 m. Displacement: 250 t. Constr.: Steel, 13 mm Sails: 550 m2 Propelled by: Caterpillar 343 D |
Lonyearbyen mit Ausblick auf den
Adventfjord. |
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Um 18 Uhr legen wir ab und fahren über den
Isfjord zum Übernachten in die Bucht Trygghamna (sicherer
Hafen). 20 sm,
Montag, 1. Sept. 03
von 10 - 13 Uhr Excursion an die Südspitze des Oscar II
Landes, einem steilen Vogelfelsen. Wir sehen unser ersten
Rentier, eine etwas kleinere Svalbard-Art.
Nach dem Lunch segeln wir durch den Forlandsundet Richtung
Nord in den Kongsfjord nach Ny Alesund. 55 sm,
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Ny Alesund, |
Nicht nur das nördlichste Postamt, sondern auch
das nördlichste Hotel und die nördlichste Eisenbahn
(stillgelegte Grubenbahn) findet sich in Ny Alesund.
Mehrere Staaten unterhalten hier Forschungsstationen
(Alfred-Wegener-Institut). Außerdem ist in Ny Alesund
eine Station für Satellitengeodösie installiert
(Messung der Kontinentaldrift).
Ny Alesunds Bekanntheit geht vor allem auf die Zeit der
Polarpioniere und Flugpioniere der 20er Jahre zurück.
Amundsen und Ellsworth versuchten 1925 von hier aus, mit zwei
Dornier Flugbooten, den Nordpol zu überfliegen. Eine
Dornier hatte einen Motorschaden und musste notlanden. Das
zweite Flugboot ging bei der Landung ebenfalls zu Bruch. Mit
Teilen des zweiten Flugbootes konnten sie das erste reparieren.
Nur mit größten körperlichen Anstrengungen
schafften es die Flugpioniere eine Startbahn im Packeis
anzulegen. Beide Besatzungen kehrten mit einer Maschine
wohlbehalten zurück.
1926 schaffte es der Amerikaner Byrd, von Ny Alesund aus den
Pol zu überfliegen, und im gleichen Jahr erreichten
Amundsen, Nobile und Ellsworth, mit dem Luftschiff "Norge" den
Pol und flogen bis Alaska weiter.
Mit Amundsen zerstritten, startete dann 1928 General Nobile mit
dem Luftschiff "Italia" zu seinem "italienischen" Polflug.
Beim Rückflug musste die Mannschaft gegen starke
Stürme ankämpfen. Schließlich krachte die
prächtige silberne Zigarre aufs Packeis. Die
Führergondel zerschellte und sechs Männer trieben mit
der Hülle ab, wurden nie wieder gesehen. Umberto Nobile
selbst stürzte mit dem Rest der Besatzung aufs Eis. Mit
dem wenigen verbliebenen Proviant harrten sie auf Rettung.
Den Luftschiffbrüchigen gelang es eine Funkverbindung
herzustellen. Nach zwei Monaten im Eis wurde der durch
Knochenbrüche bewegungsunfähige Nobile endlich von
einem schwedischen Piloten gefunden und ausgeflogen.
Später wurden dann auch die anderen Überlebenden der
Expedition gerettet. Der sowjetische Eisbrecher "Krassin" nahm
die ausgemergelten Männer an Bord.
Der Ankermast der Luftschiffe Norge und Italia kann man in Ny
Alesund besichtigen.
Dienstag,2. Sept.03
9.30 - 12.00 Uhr Rundgang durch Ny Alesund mit Einkauf im
Andenkenladen und Besichtigung des Museums.
Unter Motor fahren mit der Noorderlicht zur
gegenüberliegenden Bloemstrand(half)oeya und besichtigen
die Überreste des vergeblichen Versuches des Amerikaner
Mansfeld, hier Marmor abzubauen. 17.24 Uhr geht es
weiter.
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Dicht vor dem Gletscherabbruch des
Kronenbreen treiben wir durch das
Gletschertreibeis. |
Vom Gletscher Kronenbreen zurück, |
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Anschließend fahren wir durch den
Kongsfjord und weiter nach Nord . 55 sm
Mittwoch, 3.Sept.03
Gegen 4 Uhr erreichen wir die Insel Danskoeya und ankern in der
Bucht Virgohamna.
Wir besichtigen an Land die Überbleibsel des schwed.
Ballonfahres Andrèe und des Amerikaner Wellmann.
1897 versuchte Andrèe mit einem Ballon über den
Nordpol zu fahren.
Nach einigen Tagen musste Andrèe mit seinen beiden
Begleitern auf dem Packeis notlanden.
Nach unendlichen Strapazen im Packeis, konnten sie noch
Kvitoeya, nordöstl. von Nordaustland erreichen.
Hier starben sie vermutlich an trichinenverseuchtem Eisbärfleisch. Erst dreißig Jahre später wurden ihre Überreste gefunden. Die gefundenen Tagebücher und Filme zeigten die Tragödie, dieses von Anfang an zum Scheitern verurteiltem Unternehmens auf. |
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Der Deutschamerikaner Wellmann versuchte es dann
1906/7 mit einem Luftschiff (war mehr eine Wurst mit
Hilfsmotor). Nach einem zweiten Versuch gab er dieses Vorhaben
vernünftigerweise als undurchführbar auf.
Bekannt wurde allerdings der Schwede Andrèe (echte
Helden leben selten).
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Die Polarbärgefahr ist auf Svalbard nicht zu unterschätzen. |
Später beobachten wir von der Noorderlicht
aus wie ein Eisbär den Kadaver einer Bartrobbe
zerreißt.
3 sm weiter auf der Insel Amsterdamoeya besichtigen wir die
Überreste der holländischen Walfängerstation
Smeerenburg (Fettburg).
1619 wurde diese Walfangstation, von den Niederländern gegründet. in der Blütezeit umfaßte die Siedlung sieben Tranöfen mit 16 bis 17 Häuser. |
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Überwinterungen von Wachpersonal gingen meist
tödlich aus (Skorbut).
Nach einigen Jahrzehnten hatten die Dänen,
Holländer, und andere Nationen den Grönlandwal so
weit dezimiert, dass er um Svalbard nicht mehr zu finden
ist.
Gegen Abend starten wir die Umrundung der NE -Ecke
Spitzbergens in Richtung Osten.
Donnerstag,4. Sept. 03
In der Nach passieren wir die Insel Moffen mit einer
Walrosskolonie um dann gegen Morgen vor der Insel Lagoeya
(flache Insel) zu ankern.
80 sm, Lat. N 80° 23', Long E 18° 20'
wir steigen aus den "Rubberboot" und gehen auf Lageoeya, der
nördlichste Punkt unserer Reise an Land. 80° 23'
Nord.
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Wir haben absolut ruhige See, kein Wind und
ca +5 ° Celsius. |
Wir besuchen eine Walrosskolonie ca 35 Tiere. In der
Nähe ca 70 m, lauert ein Eisbär. Zum Glück
für uns, oder ihn, zeigt er an uns keinerlei Interesse.
Wir ziehen uns vorsichtig zurück. Nachmittags starten wir
in Richtung Hinlopenstrasse.
Freitag,5.Sept. 03
In der Nacht ankern wir vor der Insel Krossoeya im
Murchisonfjord, Gustav V Land, Norddauslandet.
35 sm, Lat N 79° 06', Long E 18°
Wir besichtigen auf der Insel einige Russengräber. Hier wächst auch das früher für eine Überwinterung wichtige Löffelkraut (Vitamin C gegen Skorbut). |
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Nachmittags fahren wir weiter Richtung Süd
vorbei an einer Vogelkolonie, und Gletscher von Ny
Friesland, Spitsbergen. Wir ankern auf der Ostseite der
Hinlopenstrasse vor der Scania Halfoeya, Gustav Adolf
Land, Nordaustlandet. |
Samstag, 6. Sept. 03
Weiter nach Süden geraten wir in immer dichter werdendes
Treibeis. Unser Ausweg, ein eisfreie Fläche im Osten,
zieht sich zusammen. Eine Rückkehr nach Norden ist
ebenfalls ausgeschlossen. Der Heleysund, nördlich
Barentsoeya ist mit Eis versperrt. In der Nacht östl
Barentsoeya wird es besser.
So bleibt uns nur der Weg östlich an Wilhemsoeya vorbei nach Südosten durchzustoßen. Dabei treffen wir immer wieder Walrossmütter mit Nachwuchs und Robben. Ein Eisbär hat sich ein Scholle als Transportmittel ausgesucht. |
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Die Noorderlicht schiebt vorsichtig die im
Wege liegenden Eisschollen beiseite und bahnt sich so
einen Weg durch das Treibeis. |
Das Treibeis wird immer dichter |
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Sonntag,7. Sept. 03
Morgens ankern wir im Freemannsundet zwischen Barentsoeya und
Edgeoeya.
110 sm, N Lat 78° 14', Long E 21°
Gegen Mittag Excursion zur "Würzburger Hütte". Zwei
Polarfüchse wehren sich gegen die Attacken der
Raubmöven. In 200 Meter Entfernung entdecken wir einen
schlafenden Eisbären.
Montag 8.Sept. 03
Wir fahren weiter in Richtung Süd zur Diskobucta auf der
Insel Edgeoeya.
30 sm, Lat N 77°55', Long E 21°40'.
Wegen des starken Schwells (keine Landung möglich), fahren
wir weiter in Richtung Süd zur Russebucta.
23 sm Lat N 7732', Long E 21°
Dienstag, 9. Sept. 03
In der Nacht nehmen wir "Anker auf" und motoren nach Osten zum
Andrèetangen, nahe der Südspitze von Edgeoeya .
42 sm Lat N77°23' Long E 22°35'
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Nach dem Frühstück Excursion am Strand entlang durch Bäche (nasse Füße), zur Walrossjagdhütte |
Nachmittags motoren wir weiter Richtung Süden um die
Südspitze von Edgeoeya herum, nach Osten zu Halfmaneoeya
(Halbmondinsel)
18 sm, Lat N 77°18', Long E 23°10'.
Excursion zur Jagdhütte des berühmten
Eisbärjägers Henri Rudi.
Gegen Abend machen wir uns auf die Rückreise, Richtung
Süd, nach der Bjoernoeya (Bäreninsel).
Die Eisbären wurden früher durch Selbstschussanlagen
zur Strecke gebracht. Ein Gewehr, eingebaut in einem Kasten,
der Abzug mit einer Leine am Köder verbunden, ließ
dem Polarbär keine Chance. Der Bär versuchte mit dem
Kopf in den Holzkasten den Köder zu erreichen, und
löste so den Schuss aus. Seit mehreren Jahrzehnten steht
der Polarbär unter Naturschutz, und darf nicht gejagt
werden.
Mittwoch-Donnerstag,10.-11. Sept.
Nach 185 sm, meist unter Segel erreichen wir am 11. Sept.
früh morgens Russebucta, an der SE Seite von
Bjoernoeya.
185 sm Lat N 74°23', Long E 19°10'.
Unsere Tages-Excursion führt uns durch beeindruckende
Berglandschaft zu einer Bleimine. Wir finden dort nicht sehr
alte Excremente eines Eisbären.
Ein im Frühjahr vom Treibeis zurückgelassener Eisbär befindet sich vermutlich noch auf der Bäreninsel. |
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Weiter geht es zu Fuß an der
Steilküste weiter zur Kvalrussbucta (Walrossbucht). Hier
befinden sich noch Überbleibsel einer Walfanstation.
Lat N 74°22', Long E 19°10'.
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die bizzare Felsküste ist typisch für
die Südküste von Spitzbergen |
Von der Noorderlicht werden wir abgeholt nehmen
Kurs auf Nord-Norwegen nach Tromsö.
Freitag-Sonntag,12.-14. Sept
Wir segeln 2 Tage bei zuletzt bis zu 7 Bft auffrischenden
Winden Richtung Süd. Vor der norwegischen Küste
müssen wir kreuzen. Die letzten Meilen in die
Fjordlandschaft hinein nehmen wir den Motor zur Hilfe.
Die Noorderlicht als ehemaliges Feuerschiff, hat im Gegensatz zu Frachtsegler, ein V-förmiges Unterwasserschiff mit geringer Anfangs- aber hoher Endstabilität. |
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zum Bug (Klüver) sind es noch ca 35
Meter. |
Nach insgesamt 1102 sm legen wir am 14. Sept. vormittags in Tromsö an. Bis zum Rückflug am 16. Sept. nutzen wir die Zeit das Städtchen Tromsö zu besichtigen. |
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Von der Crew werden wir mit einem ausgezeichnetem Dinner verabschiedet.
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Unsere Crew von links: |